Weit entfernt und dann doch ganz nah

Freunde in der Kindheit

Dienstagabend, es klopft es an der Tür. Ich öffne – und du stehst dort. Lachen uns an, fallen uns in den Arm. Müssen erneut lachen.Wir haben es tatsächlich geschafft! Tauschen erste Witze aus und wecken beinahe meinen jüngsten Sohn auf, der im Stockwerk über uns schläft. Leise sein! Ins Wohnzimmer!

Ich bin nicht alleine, als du ankommst: Mein bester Freund ist ebenfalls hier. Wir drei kennen uns – seit dem 13. Lebensjahr, wenn ich mich richtig erinnere. Gemeinsam haben wir einem Freudeskreis angehört, sind auf dieselbe Schule gegangen, unsere Klassenzimmer lagen sich gegenüber.

Eine Frage, die eine verbindliche Antwort verdient

2007 habe ich dich das letzte Mal gesehen, seitdem haben wir den persönlichen Kontakt verloren. Der Süden ist deine neue Heimat, hier baust du dir eine Familie auf. Ab und an gehen Geburtstagsglückwunsch-Wortwechsel hin und her, wenn mich mein Kalender erinnert.

Jetzt war plötzlich alles anders: Anfang des Jahres tauschen wir nämlich unsere Nummern aus, weil du zu deiner Mutter fahren willst, die weiterhin im Norden ihre Wurzeln hat. Und mich fragst, ob ich Zeit für dich habe. Ja. Habe ich. Sehr gerne sogar. Ich möchte dich gern wiedersehen und es nicht mehr bei bloßen Mails oder Kurznachrichten belassen.

Apropos 2007: In jenem Jahr habe ich meine Frau geheiratet. Du warst ebenfalls in der Kirche. Als Überraschungsgast. Dein Studium macht es zu einer großen Herausforderung, die alten Verbindungen zu pflegen. Aber dann tauchst du unvermittelt auf, an einem meiner wichtigsten Tage. Als ich dich entdecke, bin ich gerade mit meiner Frau auf dem Weg zum Altar. Zuwinken und signalisieren, dass ich mich über dein Kommen freue – das muss ich trotzdem.

Trotz Nähe auf Distanz oder entfernt und ganz nah

An diesem Dienstagabend im Jahr 2015 und an den Folgetagen wird mir wieder bewusst: Es gibt wirklich grundverschiedene Arten und Tiefen von Freundschaft. Hier und in diesem Moment genieße ich es, jemanden wiederzusehen, dem ich auch nach einer so langen Pause weiterhin tiefes Vertrauen entgegenbringe. Dem ich in den Folgestunden mehr persönliche Erlebnisse und Erfahrungen schildere als ich es bei anderen langjährigen Bekannten je gemacht habe.

Ob die gemeinsame Freude über unsere Kinder, das Bedauern über zersplitterte Beziehungen oder das Mitgefühl für persönliche Schicksalsschläge und simples Zuhören: Auch nach dieser langen Pause harmonieren wir. Verstehen uns. Gehen behutsam und respektvoll miteinander um, ohne jedoch vergessen zu haben, welche Scherze das Gegenüber durchaus vertragen kann.

Am Folgesonntag sind wir sogar noch gemeinsam in der Oldenburger Innenstadt. Trinken etwas gemeinsam, lachen erneut, unterhalten uns. Und merken, dass es nicht mehr als zwei Menschen bedarf, die sich mögen, um einen schönen Abend zu erleben.

Schön, dass es dich gibt. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dich wiederzusehen. Nur eine Bitte habe ich: Lass uns mit dem nächsten Treffen nicht so lange warten, in Ordnung?

Denn: Du tust mir gut.

Beste Grüße,
Nic

 

Foto: Alexramos10 – Pixabay

2 Kommentare

  1. Oh Nic, das kenne ich. Mein Sandkastenkumpel und unser Trauzeuge ist auch mit Familie viel zu weit weg im Norden. Hier im südlichen Exil haben sich unsere Wege noch nicht gekreuzt. Umso schöner war es, ihn vor kurzem nach 15 Jahren wiederzusehen. So, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Auch wenn es nur für 1,5 Stunden war.

    1. Hi Sven, Danke für deinen Kommentar. Besteht denn Aussicht auf Wiederholung? Bei uns wird’s vielleicht Ende der Sommerferien der Fall sein. Dann geht es in den Süden. Beste Grüße, Nic

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